Projektskizze

 

Grundlage

Das Erscheinungsbild des ehemals ländlich geprägten Dorfes Rüdinghausen hat sich in den letzten Jahrzehnten durch eine hohe Rate an Wohnungsneubauten und beachtliche Industrie- und Dienstleistungsbetriebe wesentlich verändert.  Lediglich einige Straßennamen erinnern daran, dass hier einst eine typisch westfälische Landschaft mit zahlreichen Bauernhöfen, Feldern, Wiesen und Wald prägend war.

 

Problemlage

-Hohe Zuzugsraten sind zu verzeichnen. Damit verbunden ist eine geringe Verbindung eines großen Teils der Bewohner mit Geschichte und Tradition Rüdinghausens, dies gilt insbesondere für Kinder und Jugendliche

-Jugendliche: Alkohol und Drogenkonsum, „Kampfsportspiele“

-große Grünflächen wurden durch Häuser und Industrie versiegelt.

-touristisch unterentwickeltes Gebiet

-Erhöhung der kulturellen Attraktivität notwendig, Einbindung in das Kulturentwicklungsprogramm der Stadt Witten.

-Innovationsimpulse insgesamt notwendig

-Mangelnde Vernetzung von Firmen und Bewohnern des Ortsteils

-Fehlen eines „Zentrums“ von Rüdinghausens (auch im Sinne von kultureller und sozialer Identifikation)

-Wirtschaftlicher Wandel durch Einbrüche (Abzug der Firma „Siemens“) gekennzeichnet.   

 

Projektprofil

Mitten in der rasanten Bautätigkeit steht in einem alten Bauerngarten als „Überbleibsel“  einer längst vergangenen Zeit   der aus dem 17. Jahrhundert stammende    „Günnemann-Kotten“,  den ein kleiner Bach, die „Brunebecke“ durchfließt. Diese Oase hat sich der Heimatverein Rüdinghausen mit Unterstützung der Initiativgruppe „Rettet den Günnemann-Kotten“ und vielen engagierten Bürgerinnen und Bürgern Rüdinghausens vorgenommen nicht nur mit aller Kraft zu erhalten, sondern die Zukunftsvision besteht darin, den Kotten und den Bauerngarten  zu einem organischen Bestandteil der Gesamtstruktur der Gemeinde Rüdinghausen werden zu lassen, ohne jedoch darüber hinaus weisende Aspekte zu vernachlässigen. Dabei geht es

1.)  um eine Einbindung in das gesamte Gebiet der Gemeinde als Geschichtsobjekt,

2.) um eine Integrierung in den Mikrokosmos der unmittelbaren Nachbarschaft und

3)  um eine Verbindung von regionaler und überregionaler Bedeutung:

 

Nutzungskonzept

Zu 1.)

Einbindung in die gesamte Gemeinde Rüdinghausen: Denkmalschutz/Geschichte

Das Hauptziel ist es hier, dass Vergangenheit bzw. Geschichte in Form von Lebensweise, Traditionen und Bauart direkt vor Ort vermittelt werden, d.h. von den Menschen, die hier leben, direkt sinnlich erfahrbar werden.

a.)   Instandsetzung und Instandhaltung des Günnemann-Kotten und seines Grundstücks als Kulturerbe der Gemeinde Rüdinghausen. 

b.)   Sicherung des Gebäudes als Baudenkmal der vorindustriellen bäuerlichen Geschichte Rüdinghausens

c.)   Erhaltung und Wiederherstellung der Struktur des Bauerngartens mit Kleintierhaltung (Ziegen, Enten, Hühnern) ebenfalls als Beispiel der vorindustriellen Geschichte Rüdinghausens. Vorhandene, jahrhunderte alte Strukturen erhalten und aufnehmen. Dadurch sollen vor allem Kinder kleinbäuerliche Lebensweise und Umgebung wieder zum Teil sinnlich erfahren können. (siehe unten zu den anderen Aspekten für Kinder).

d.)   Nutzung der Deele u.a. als ansprechenden und gut zugänglichen Raum für wechselnde Ausstellungen und Vorträge zur Heimat- und Alltagsgeschichte organisiert u.a. in enger Zusammenarbeit mit dem Heimatverein Rüdinghausen (geplante Themen z.B.: bäuerliche Basiskultur für die Industrialisierung, Zwangsarbeiter als bäuerliche Hilfskräfte in Rüdinghausen während des Nationalsozialismus). In enger Zusammenarbeit mit dem Märkischen Museum, dem Stadt-Archiv Witten und dem Stadt-Archiv Dortmund und dem Westfälischen Wirtschaftsarchiv.

e.)   Unterbringung des umfangreichen Archivs des Heimatvereins Rüdinghausen in der Versorgungseinheit unter Berücksichtigung der erforderlichen klimatischen Voraussetzungen.   Wiederzugänglichmachung des Archivs für die Öffentlichkeit. Die Geschichte wird durch die Organisation von Ausstellungen und intensiver Öffentlichkeitsarbeit  den Menschen näher gebracht.

f.)    Weitere Erforschung der Geschichte des Kotten zusammen mit dem Heimatverein. (Archivarbeit im Haus Steinkuhl, im Archiv in Münster, Untersuchungen direkt am Gebäude, systematische Bodenuntersuchungen, weitere Interviews mit den Nachkommen u.s.w.). Einbindung der Ergebnisse in die regionale und überregionale Geschichte.     

a.)   Insgesamt Einbindung der örtlichen Schule und der Kindergärten, der Firmen und Anwohner in die Rekonstruktion und Vermittlung von Microgeschichte. Sensibilisierung der Firmen und Bewohner Rüdinghausens für Geschichte und Tradition

g.)   Erhaltung des Naturraums im Großbereichs des Kotten (Bachtal). Renaturierung des Bachs Brunebecke

h.)   Neben dem Kotten soll eine Versorgungseinheit entstehen, die eine Küche, Sanitäranlagen, Heizung und einen klimatisierten Archivraum für sensible Archivmaterialien bzw. einen Mehrzweckraum enthält, d.h., der Kotten selbst soll durch diese Versorgungseinheit vor entsprechenden Umbaumaßnahmen, die nicht seiner ursprünglichen Form entsprechen, geschützt werden.

Zu 2.)

Integrierung des Kotten: Geschichte und Gegenwart

Nachbarschaft/Tourismus

b.)   Der Hof als Kommunikationszentrum/Ort der sozialen Kompetenz: Der große Ausstellungs- und Vortragsraum, d.h. die Deele des Kotten und die Versorgungseinheit sollen auch als Gemeinschaftsraum genutzt werden für Feste, Familienfeiern, Gesprächskreise etc. Außerdem soll das Grundstück´ für Kinder zum Spielen (der Bach, der Garten) zugänglich sein.  Geplant ist, dass den Kindern die (Mit-)Verantwortung für die Kleintiere aufgetragen wird. Dies fördert soziale Kompetenzen und eine Identifikation mit schützenswertem Lebensraum. Zudem kann im Rahmen der Reaktivierung des Bauerngartens jede Familie ihren „Wunsch-Obstbaum“ pflanzen. Die Erträge werden gemeinsam genutzt und gerne mit Hilfe des Wissens der älteren Menschen verarbeitet. Ein Bienenstock ergänzt die Pflanzungen. Imker der Nachbarschaft geben ihr Wissen weiter. Die Gartenpflege, verbunden mit der Tierbeachtung fördern die sinnstiftende Freizeitgestaltung der Kinder.

Künstlerisch und kunsttherapeutisch kann dieser Prozess  begleitet werden von einem/r erfahrenen Künstler/in auf diesem Gebiet und von Menschen, die sich im Gartenbau bestens auskennen.

Mit den Besitzern des direkt angrenzenden Nachbargrundstücks ist bereits ein fließender Übergang bzw. eine Konzeptergänzung abgesprochen, der insbesondere die Pflanzungen und den gemeinsamen Bach betrifft.

Das Motto ist: Menschen aus der Nachbarschaft miteinander und
füreinander.

Ziel: Auf diese Weise können schneller soziale Probleme und Spannungen im Stadtteil erkannt und gelöst werden. Dies betrifft sowohl Kinder und  Jugendliche als auch Erwachsene.

c.)   Gästezimmer (eingerichtet mit originalen Bauernbetten und Zubehör), die auch von Rüdinghausern  als Gästezimmer gemietet werden können. Alternativ sollen die historisch eingerichtete Zimmer durch Dauervermietung oder Kurzzeitvermietung an Studenten und/oder Dozenten der Universität  Witten-Herdecke bzw. der in Rüdinghausen ansässigen Firmen vergeben werden

d.)   Der Kotten soll aber auch als Katalysator für die Vermittlung 1. Von Geschichte und Tradition und 2. von Ideen und Vorstellungen von zukunftsorientieren Bauen, Wohnen, Energiesparen und landschaftsschonendem Bauen in der unmittelbare Nachbarschaft dienen. (siehe dazu auch die anderen Punkte)

e.)   Nicht zuletzt soll der Kotten und seine großen Freiflächen für Stadtteilfeste genutzt werden können, die in Rüdinhausen zwar eine lange Tradition, aber bisher keinen „schönen“ Raum/Umfeld hatten.  

f.)   Ein großer Teil der Fläche soll für Renaturierungsmaßnahmen des Bachs Brunebecke verwendet werden.

Zu 3.)

Verbindung von regionaler und überregionaler Bedeutung 

Nachhaltige und umweltgerechte Entwicklung

a.)   Nutzungskonzept, das dem Kulturerbe „Günnemann-Kotten“ in der heutigen Zeit entspricht.

b.)   Förderung von landschaftsschonendem und ökologischen Bauen unter Verwendung von natürlichen/nachwachsenden Rohstoffen (als Vorbild diente hier der Günnemann-Kotten, Lernen von den Vorfahren für die Gegenwart und Zukunft)

c.)   Raum (die Deele) für öffentliche Vorträge zum Thema Umweltschutz/Schonung, d.h. naturgerechtes Bauen und denkmal- und naturgerechtes Renovieren alter Gebäude.

d.)   Der Kotten als Studienobjekt für die Baugeschichte (Fachwerkbau). Verschiedene Bauentwicklungen, Der Lehrstuhl für Denkmalschutz der Fachhochschule Dortmund sowie der Fachbereich Architektur der Fachhochschule Bochum haben schon reges Interesse gezeigt. (Eingebunden werden soll auch der in Deutschland einzigartige  Lehrstuhl  für Lehmbau der Bauhaus-Universität in  Weimar).

e.)   Sensibilisierung der Firmen und Bewohner Rüdinghausens für nachhaltige und umweltgerechtes Bauen/Entwicklung.

f.)    Anhalten und (wenn möglich sogar Koordinierung) der Rüdinghauser Firmen zu gemeinsamen Programmen zur Entwicklung und Integrierung von Maßnahmen, die auf die Vermeidung und Reduzierung von Abwasser, Abluft, Abfall und anderer Umweltbelastungen im betrieblichen Produktionsprozess abzielen. Der Verein stellt sich hier  eine Initiativ-Rolle vor, die eine Verknüpfung von Rüdinghauser Firmen und den beiden Universitäten sowie anderer Institutionen anstrebt (Abbau von Hemmschwellen, Kontaktbörse).

g.)   Nutzung des Kotten   durch Arbeitstagungen für Rüdinghauser Firmen, die Universität Witten Herdecke und andere Institutionen (die besondere Attraktivität ist durch historisches Ambiente und landschaftliche Reize gegeben).

h.)   Die Renaturierungsfläche Brunebecker-Bach soll als Studienort für den Rückbau von Kleingewässern genutzt werden und zwar für die Grundschulen, Kindergärten und auch die Universität Dortmund (Raumplanungskonzepte).

 

Tourismus

a.) Förderung des regionalen und überregionalen  Tourismus: Der Kotten befindet sich in unmittelbarer Sichtweite des regionalen Radwegs von Dortmund nach Witten (Rheinischer Esel).

b.) Stärkung des „touristischen Ostflanke“ Wittens: Der Kotten befindet sich im Osten Wittens, deren touristische Attraktivität gesteigert werden soll. Der Verein hat sich zum Ziel gesetzt, die bäuerliche Basiskultur der Ostflanke Wittens, die für die in Witten dominierende Industriekultur die Grundlage bildet, herauszustreichen. Dazu sollen nicht nur der Günnemann-Kotten, sondern auch andere, sich  in unmittelbarer Nähe des Radweges befindenden bäuerlichen Kulturdenkmäler verstärkt in das Bewusstsein gerückt werden.  

Angedacht ist ein sog. Plan „Bäuerliche Kultur – Ostflanke Witten“, der als Ergänzung zur Industriekulturpflege der Stadt Witten dienen soll (Ausarbeitung eines touristischen Microplans mit Kommentar der bäuerlichen Denkmäler im Ostbereich Wittens, Begleitung durch Ausstellungen im Günnemann-Kotten).

c.) Eine „Radfahrerverschnaufsgastronomie“ in altbäuerlichem Ambiente und  Umgebung soll ebenfalls die interessierte Öffentlichkeit anziehen. Der  Verein knüpft damit an die Geschichte des Kotten an, da im Kotten nach dem zweiten Weltkrieg über 15 Jahre Getränke und Lebensmittel verkauft wurden.

d.) Direkt am Radweg ist eine Hinweistafel geplant, die sowohl auf die geschichtliche Bedeutung des Kotten als auch auf die Kleingastronomie aufmerksam macht. Ebenfalls soll die ehemalige Glashütte, die letzte noch in unserer Region vorhandene Siedlung der Arbeiter der Hütte solle ebenfalls berücksichtigt werden. Eine „Glasstele“ am Radweg sollte auf die Hütte, die in ihren Grundstrukturen noch der aus dem 19. Jahrhundert entspricht, hinweisen.

 

Kongresszentrum

Nutzung des Kottens (Deele und Dachboden) als uriges „Kongresszentrum“ kleineren Rahmens für die umliegenden Firmen, die Ruhr-Universität Bochum und die Universität Dortmund. Es hat sich gezeigt, dass kleine Konferenzen in einem entsprechenden historischen Ambiente ein beliebtes Anmietungsobjekt sind.

 

Fazit Projekt

Der  Vereins „Günnemann-Kotten“ e.V. möchte über den Erhalt eines denkmalgeschützten Gebäudes die historische Identität eines Stadtteils bewahren. Der Kotten soll zu einem jeder Zeit öffentlich zugänglichen Nachbarschafts- und Stadtteilzentrum ausgebaut werden, getragen durch bürgerschaftliches Engagement. Dies bildet die Basis für innovative Ideen und konkrete Umsetzungsprogramme im Bereich von Kultur, des Umweltschutzes und des Tourismus. Überregionale Akzente sollen darüber hinaus auch gesetzt werden.