Projektskizze

 

Projektkern

Projektkern ist die Sicherung und Nutzung des gut 350 Jahre alten Günnemann-Kotten in Witten Rüdinghausen als Kristallisationspunkt für Ortsgeschichte und bäuerliche Wirtschaftsweisen der Region.

Das Erscheinungsbild des ehemals ländlich geprägten Dorfes Rüdinghausen hat sich in den letzten Jahrzehnten durch eine hohe Rate an Wohnungsneubauten und beachtlichen Zuzug von Industrie- und Dienstleistungsbetrieben wesentlich verändert. Lediglich einige Straßennamen erinnern daran, dass hier einst eine typisch westfälische Landschaft mit zahlreichen Bauernhöfen, Feldern, Wiesen und Wäldern prägend war. Ein großer Teil der Bewohner des Ortsteils ist mit der Geschichte Rüdinghausens und den bäuerlichen Traditionen heute nicht mehr vertraut. Hier könnte der Günnemann-Kotten als ein „Zentrum“ im Sinne von kultureller und sozialer Identifikation Abhilfe schaffen. So soll der Kotten gleichzeitig Ort und Gegenstand sein, um ins Gespräch zu kommen.

Akteure sind die Bürgerinnen und Bürger Rüdinghausens und angrenzender Gemeinden, aber auch Schüler und Schülerinnen der örtlichen Schulen sowie gesellschaftliche Organisationen, insbesondere der Heimatverein Rüdinghausen und der Verein „Günnemann-Kotten e.V.“. Insgesamt geht es um die Schaffung eines den Dialog fördernden Ortes, der der Reflexion von Geschichte und Gegenwart dient. Oberstes Ziel ist es, damit den individuellen Blick auf die Gegenwart zu stärken.

Das Gesamtprojekt besteht aus vier Bausteinen:

1.      Der Kotten als lokales Geschichts- und Ortszentrum

2.      Der Kotten als Lern- und Studienobjekt

3.      Der Kotten als bäuerliche Wirtschaftseinheit (Bauerngarten)

4.      Die Renaturierung des Baches (ökologische Einheit)

Den Kernbereich des Projekts bilden die Bausteine 1-3. Die Bezeichnung für dieses Kernmodul des Gesamtprojekts lautet „Bindung durch Lokalgeschichte“.                        

 

Kernmodul

„Bindung durch Lokalgeschichte“

 

Projektziele :

a.)    Instandsetzung und Instandhaltung des Günnemann-Kottens und seines Grundstücks als Kulturerbe der spezifischen bäuerlichen Prägung der Gemeinde Rüdinghausen; 

b.)    Nutzung der Deele des Kotten u.a. als Veranstaltungsraum;

c.)    Erhaltung und Wiederherstellung der Struktur des Bauerngartens mit Kleintierhaltung (Ziegen, Enten, Hühnern) ebenfalls als Beispiel der bäuerlichen Tradition Rüdinghausens;

d.)    Kotten, Bauerngarten und Bachlauf sollen als Studien- und Lernobjekte für bäuerliche Baugeschichte, alte Handwerkstechniken, ökologische Zusammenhänge und Wirtschaftsweisen fungieren.

Projekterläuterungen

Methodisch ist das Projektmodul „Bindung durch Lokalgeschichte“ so angelegt, dass von Anfang an Bürger und Bürgerinnen, Schulkinder und Jugendliche integriert werden. Es geht um eine intensive Beteiligung möglichst vieler Personen und Zielgruppen vor Ort unter fachlicher Anleitung. Ziel ist es, mit diesem partizipatorischen Ansatz des Projekts Identität und Traditionsbewusstsein für den Ort zu generieren und zu verstetigen.

Im Zentrum des Projekts soll der Günnemann-Kotten als Ort und Gegenstand zur lokalen Bindung stehen. Mit der gemeinsamen Erhaltung und Wiederherstellung der Struktur des Bauerngartens soll ein Beispiel der bäuerlichen Wirtschaftsweisen des Mellmauslandes (so genannt nach dem hier traditionell häufig angebauten Gemüse Melde) rekonstruiert werden. Eines der Projektziele, den Kotten als Studienobjekt für Bau- und Handwerksgeschichte zu nehmen, soll den Blick für ökologisches Bauen und Wohnen schärfen.

Inhaltlich gilt es, anhand der Geschichte des Kottens die Rekonstruktion und Reflexion von Ortsgeschichte zu fördern. Ein Aspekt wird dabei die Auseinandersetzung mit der  nationalsozialistischen Zeit sein, auch da sich auf dem Grundstück ein von Zwangsarbeitern gebauter Bunker befindet. Am Kotten ist zeigbar, dass auch die kleinste Einheit mit den lokalen, überregionalen und übernationalen Entwicklungen verbunden ist und hier eine Wechselwirkung besteht.  Übergreifend geht es darum, Geschichte zugänglich zu machen und besser in der Gesellschaft direkt am Ort zu verankern.

Ziel der aufeinander aufbauenden Themenfelder soll die Vermittlung von Sozialgeschichte und Umwelt sein. Erreicht werden soll das durch aktive Zusammenarbeit mit lokalen Einrichtungen und der Bevölkerung. Das Projekt ist zukunftsweisend, da es einen nachhaltigen Umgang mit regionaler Geschichte und Wirtschaftsweise verspricht.