Projektskizze

 

Gewidmet dem unermüdlichen Lokalforscher Friedhelm Specht

Inhalt

I. Gesamtprojekt

1 Grundlage

2 Bausteine

II. Kernmodul „Bindung durch Lokalgeschichte“

1 Ziele

2 Methode

3 Inhalt

4 Arbeitsgruppen

5 Lage des Grundstücks

III. Zusammenfassung

 

I. Gesamtprojekt

Der Kern des Gesamtprojekts ist die Sicherung und Nutzung des gut 350 Jahre alten Günnemann-Kottens mit Grundstück in Witten-Rüdinghausen als Kristallisationspunkt für Ortsgeschichte und bäuerliche Wirtschaftsweise der Region.

Das Erscheinungsbild des ehemals ländlich geprägten Dorfes Rüdinghausen hat sich in den letzten Jahrzehnten durch eine hohe Rate an Wohnungsneubauten und Zuzug von Industrie- und Dienstleistungsbetrieben wesentlich verändert. Lediglich einige Straßennamen erinnern daran, dass hier einst eine typisch westfälische Landschaft mit zahlreichen Bauernhöfen, Feldern, Wiesen und Wäldern prägend war. Ein großer Teil der Bewohner des Ortsteils ist mit der Geschichte Rüdinghausens und den bäuerlichen Traditionen nicht mehr vertraut. Hier kann der Günnemann-Kotten als ein „Zentrum“ im Sinne von kultureller und sozialer Bindung Abhilfe schaffen. So soll der Kotten Ort und gleichzeitig Gegenstand sein, um ins Gespräch zu kommen. Im Rahmen des Projekts wird eine kleinbäuerliche Selbstversorgungseinheit wiederhergestellt, deren hauswirtschaftliche Grundlagen vor der industriellen Überformung des Ruhrgebiets überall und in den Randbereichen noch bis in die 1970-er Jahre normaler Alltag der Menschen war.

Akteure sind die Bürgerinnen und Bürger Rüdinghausens und angrenzender Gemeinden, aber auch Schüler und Schülerinnen der örtlichen Schulen sowie gesellschaftliche Organisationen, insbesondere der Heimatverein Rüdinghausen und der Verein „Günnemann-Kotten e.V.“. Es geht um die Schaffung eines den Dialog fördernden Ortes, der der Reflexion von Geschichte und Gegenwart dient.

1 Grundlage

Beim Kotten handelt es sich um ein denkmalgeschütztes Gebäude. „Die Hofstelle lässt sich bis in das 17. Jahrhundert zurückverfolgen. Das Gebäude ist bedeutend für die Geschichte des Wirtschaftens und Wohnens einer Bevölkerungsgruppe, die teils durch Landwirtschaft, teils durch ein anderes, nicht bekanntes Gewerbe ihren Lebensunterhalt verdiente. Darauf deutet der für einen landwirtschaftlichen Vollerwerbsbetrieb zu kleine Wirtschaftsteil und der im Verhältnis dazu große Wohnteil. Die Bewohner müssen zu einer relativ wohlhabenden Schicht gehört haben, wofür die Größe von Grundstück, Haus und Wohnteil ein Beleg sind“ (Begründung für die Eintragung in die Denkmalliste des Günnemann-Kottens 2002).

Der Kotten steht in einem Bachtal, das von der Brunebecke durchflossen wird, und dessen Nutzungsgliederung noch weitgehend der ursprünglichen bäuerlichen und bis in die 1980-er Jahre hier betriebenen Wirtschaftsweise entspricht. Die tradierte bäuerliche Lebensweise – heute in ihrer Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung wieder hoch aktuell – soll anhand der Wirtschaftseinheit (Kotten und Grundstück) dargestellt und vielseitig erlebbar gemacht werden. Im Gebäude und Grundstück stecken ein hohes unmittelbares und authentische Potential, Vergangenheit erfahrbar zu machen und Ortsbindung herzustellen. Die Grundlage dafür bilden der Kotten mit seiner zeittypischen Bauweise und Innengliederung sowie das große Grundstück mit seiner topographisch bedingten, vielschichtigen Binnengliederung durch den Bachlauf, anteiligen Hanglagen und ebenen Flächen.

2 Bausteine

Das Gesamtprojekt besteht aus vier Bausteinen:

1.      Der Kotten als lokales Geschichts- und Ortszentrum

2.      Der Kotten als Lern- und Studienobjekt

3.      Der Kotten als bäuerliche Wirtschaftseinheit (Bauerngarten)

4.      Die Renaturierung des Baches (ökologische Einheit)

                                           

II.

Kernmodul „Bindung durch Lokalgeschichte“ (Bausteine 1-3)

1 Ziele

a.)    Instandsetzung und Instandhaltung des Günnemann-Kottens und seines Grundstücks als Kulturerbe der spezifischen bäuerlichen Prägung der Gemeinde Rüdinghausen; 

b.)    Nutzung der Deele des Kotten u.a. als Veranstaltungsraum;

c.)    Erhaltung und Wiederherstellung der Struktur des Bauerngartens mit Kleintierhaltung (Ziegen, Enten, Hühnern, Bienen) ebenfalls als Beispiel der bäuerlichen Tradition Rüdinghausens;

d.)    Kotten, Bauerngarten und Bachlauf sollen als Studien- und Lernobjekte für bäuerliche Baugeschichte, alte Handwerkstechniken, ökologische Zusammenhänge und Wirtschaftsweisen fungieren.

2 Methode

Methodisch ist das Projektmodul „Bindung durch Lokalgeschichte“ so angelegt, dass von Anfang an die Bürgerinnen und Bürger vor Ort von Schulkindern der Grundschulen Witten-Rüdinghausen und Dortmund-Kruckel über Jugendliche, die in Rüdinghausen und Kruckel wohnen, bis hin zu Senioren beteiligt und integriert werden. Schon die Projektziele des Gesamtprojekts wurden gemeinsam mit diesem Personenkreis und den Mitgliedern des Vereins „Günneman-Kotten e.V.“ und des Heimatvereins Rüdinghausen sowie mit Hilfe weiterer interessierter Bürgerinnen und Bürger entwickelt. Auch die Umsetzung der Projektziele wird unter Beteiligung und Integration verschiedener lokaler Gruppen und Milieus realisiert: So gilt es bei der Instandsetzung des Kottens bewusst so viele Personen wie möglich unter fachlicher Anleitung mit leichten Arbeiten zu betrauen. Ebenfalls werden Geflüchtete gezielt um Hilfe gebeten. Planungsvorgänge, Architektenaufgaben, Statik und Elektrik werden programmatisch in die Hände von Mitgliedern des Vereins und Personen vor Ort gelegt. Hier steht Teamarbeit im Vordergrund, um die Belastung auf möglichst viele Schultern zu verteilen.  Auch schwierige Aufgaben, wie die Umsetzung der denkmalpflegerischen Vorgaben, werden unter der fachlichen Leitung unseres Vereins gemeinsam bewältigt.

Es soll ein Ort geschaffen werden, der sowohl Gegenstand als auch eigentlicher Raum für die Erforschung lokaler Geschichte „in einem“ ist. Es geht darum, die Geschichte des Kottens zu rekonstruieren. Auf der Grundlage des umfangreichen Archivs des Heimatvereins sollen interessierte Bürger und Bürgerinnen, Jugendliche und Schüler in Form von Projektwochen einzelne Themenbereiche ausarbeiten. Unter Anleitung professioneller Kräfte (Historiker und Historikerinnen) sollen diese Themenbereiche im Stadtarchiv Bochum, Stadtarchiv Witten, Stadtarchiv Dortmund und auch im Landesarchiv Münster „aufgefüllt“ werden. Daneben sollen gerichtete, also thematische Interviews mit Bewohnern Rüdinghausens geführt werden. Am Ende werden für die einzelnen Themenbereiche Ausstellungskonzepte zur Präsentation im Kotten ausgearbeitet.  Eine Publikation auf der Web-site des Vereins mit populärwissenschaftlichem Anspruch steht am Ende. Hier sollen die Bürger unter Anleitung versuchen, schriftlich zu fixieren, was bei den Recherchen herausgekommen ist. Dies soll streng thematisch, modular geschehen. Prinzip der geplanten Bürgerforschungen ist es, mit Fingerspitzengefühl, aber dennoch offensiv den Blick in die Gegenwart zu stärken und zwar mit Hilfe der Erforschung der unmittelbaren Geschichte des Orts, in dem man schon lange lebt oder in den man zugezogen ist. Nicht zuletzt kann die Bindung an den unmittelbaren Lebensbereich, so die These, auf diese Weise erhöht werden. Ziel ist es, durch umfangreiche Partizipation Empathie für das Objekt zu generieren und zu verstetigen. Im Zentrum des Projekts steht also der Günnemann-Kotten als Ort und Gegenstand zur lokalen Bindung mit Hilfe von Geschichte.

Darüber hinaus werden auch die Schnittstellen zwischen dem Projektkern und anderen Aktivitäten beachtet. Es erscheint wichtig, das Projekts in ein größeres Umfeld einzubinden um darüber neues Interesse zu wecken, zu erhalten und neue Bezüge zu entwickeln. Dazu gehört die Idee, den Kotten und sein Grundstück auch für Stadtteilfeste, Familienfeste und eine Radfahrergastronomie zu öffnen. Die Einrichtung einer bäuerlichen Küche und eines Arbeitsraums, bzw. Lesesaals, für die Archivmaterialien benutzt werden soll, ist ebenfalls ein solcher Überschneidungsraum. Mit der gemeinsamen Erhaltung und Wiederherstellung der Struktur des Bauerngartens mit Kleintierhaltung (Ziegen, Enten, Hühnern, Bienen) soll ein Beispiel der vorindustriellen Geschichte Rüdinghausens gegeben werden. Vorhandene, Jahrhunderte alte Strukturen werden damit fortgeführt. Dies ist ein Beispiel, wie vor allem Kinder (über die örtlichen Grundschulen) kleinbäuerliche Lebensweise und Umgebung wieder zum Teil sinnlich erfahren können und darüber an Geschichte herangeführt werden. Dies gilt aber auch für den Kotten selbst (und das Naturschutzprojekt). Zudem werden bäuerliche (Handwerks-) Techniken mit Hilfe von Spinnkursen, Häkeln und Stricken, Kochkursen, Brotbacken, Kräuterkunde, Gartentechniken ohne chemischen Dünger, Einmachen neu popularisiert.

Das Projektziel, den  Kotten als Studienobjekt für die Baugeschichte (Fachwerkbau) zu nehmen, soll die Diskussion über Ideen und Vorstellungen von zukunftsorientiertem Bauen, Wohnen, Energiesparen und landschaftsschonendem Bauen anregen und in Zusammenarbeit mit der Fakultät für Architektur und Bauingenieurwesen der TU-Dortmund und dem Lehrstuhl  für Lehmbau der Bauhaus-Universität in  Weimar bis in überregionale studentische Kreise in Form von Praktika getragen werden.  

Der Verein hat sich als langfristiges Ziel gesetzt, die bäuerliche Basiskultur der Ostflanke Wittens, die für die in Witten dominierende Industriekultur die Grundlage bildet, herauszustreichen.   

Eine „Radfahrerverschnaufsgastronomie“ in bäuerlichem Ambiente und Umgebung soll ebenfalls die interessierte Öffentlichkeit anziehen. Der Verein knüpft mit dieser Idee an die Geschichte des Kottens an. Im Kotten wurden nach dem zweiten Weltkrieg über 15 Jahre lang Getränke und Lebensmittel verkauft. Direkt am regionalen Radweg „Rheinischer Esel“, der sich nur einen Steinwurf vom Kotten entfernt befindet, ist eine Hinweistafel geplant, die sowohl auf die geschichtliche Bedeutung des Kottens als auch auf die Kleingastronomie aufmerksam macht.

Zusammen mit der Renaturierung des Bachtals und der Wiederherstellung des Bauerngartens (typische nachhaltige Gartenbewirtschaftung in Kontakt mit BGR Dortmund, dem Umweltkulturpark Dortmund-Barop und der Initiative Bergmannshof in Bochum-Laer) und dem Kotten liegt in Bezug auf das Thema Nachhaltigkeit und Wirtschaftsweise mit natürlichen bzw. nachwachsenden Rohstoffen ein ressourcensparender Betrieb des Kottens auf der Hand.   Oberstes Ziel ist es „ins Gespräch zu kommen“, denn auch Themen wie Nachhaltigkeit und Naturschutz sind dazu geeignet, Menschen für ihren Lebensort, einschließlich seiner Geschichte, zu interessieren und zu aktivieren.

Der Verein kann auf eine 20-jährige Erfahrung in Bezug auf echte Beteiligung zurückgreifen. So wurde der lange Weg zur Rettung des Kottens und Grundstücks nur mit Hilfe von engagierten Bürgerinnen und Bürgern vor Ort über die Jahre vorangetrieben, so dass nun die reale Chance besteht, den Kotten zu übernehmen. 

3 Inhalt

Im inhaltlichen Sinne geht es beim vorliegenden Projekt um die Rekonstruktion der Geschichte eines mehr als 350 Jahre alten Bauernhofes im Dorf Rüdinghausen im Einflussbereich von Witten und Dortmund.

Der Kotten ist besonders gut für eine Reflexion von Ortsgeschichte geeignet, weil er weder wirtschaftlich noch gesellschaftlich autark war. Wirtschaftlich war er nicht ertragreich genug, um seine ursprünglichen Erbauer - Mitglieder des Kleinadels - zu ernähren, so dass sie immer auf Zuerwerb angewiesen waren. Anhand des Kottens kann somit auch die prekäre wirtschaftliche Situation des Kleinadels gezeigt werden.

Als die Besitzer dann zu reinen Bauern wechselten, ging es für sie um das Überleben mit verhältnismäßig wenig Land durch intensive Wirtschaft, durch Gemüse- und Obstanbau und Kleinvieh, aber auch durch Verdingung bei den größeren Konkurrenzhöfen, und schließlich im 19. Jahrhundert durch Arbeit in den Kleinzechen in direkter Nachbarschaft.

Den Schlusspunkt bildet der Verkauf der meisten Flächen des Kottens nach dem Zweiten Weltkrieg an die größeren Bauernhöfe und schließlich der Verkauf der Restflächen als Bauland, die mit Eigenheimsiedlungen bebaut wurden.

Bei der Betrachtung der politischen und gesellschaftlichen Entwicklung Rüdinghausens soll ein Schwerpunkt auf die nationalsozialistische Zeit gesetzt werden. Im Hof hat eine Zwangsarbeiterin mit dem Namen Walga gearbeitet. Der Bunker im Hang auf dem Kotten-Grundstück wurde von Zwangsarbeiter der Firma Rheinstahl, jetzt Thyssen, errichtet.   

Teile der Besitzerfamilie des Kottens waren stark in der NSDAP verankert und haben Privilegien genossen, andere wiederum waren als ehemalige KPD-Anhänger Repressionen ausgesetzt. Welche Wechselwirkungen dies mit der ungewöhnlich starken und frühen Präsenz der NSDAP in Rüdinghausen und der Vertreibung der Juden aus diesem Dorf hatte, wird über diesen Hebel thematisiert.

Was den Heimatverein betrifft, so sollen in diesem Zusammenhang auch seine Geschichte bzw. die Geschichte von Mikrogeschichtsforschung in Rüdinghausen thematisiert werden. Hier ist insbesondere die problematische Verbindung von Heimatforschung und Nationalsozialismus hervorzuheben. Ein ausgezeichneter Heimatforscher von Rüdinghausen, der Lehrer Adolf Manns hat viel für die Erforschung der bäuerlichen Geschichte Rüdinghausens getan, sich aber gleichzeitig als ein besonders engagierter Nationalsozialist und Ideologe in Rüdinghausen gezeigt (Nachlass zum Teil in Besitz des Heimatvereins und im Stadtarchiv Witten). Diese zwei Gesichter eines heimatverbundenen, aber antisemitisch und autoritär gesinnten Bewohners Rüdinghausens werden ebenfalls mit Hilfe der Geschichte des Kottens thematisiert.

Weitere mögliche Themen für ortsgebundene Geschichtsforschung auf der Grundlage vorhandenen Archivmaterials sind:

- Die starke evangelische Bindung der Bewohner des Kottens;

- die Auswirkungen der napoleonischen Eroberung im Mikrobereich;

- das ökonomische Aufblühen des Kottens im Kontext der Großzeche Wiendahlsbank in Kruckel, vor allem in der Frühzeit des Steinkohle-Abbaus; 

- die transporthistorische Entstehung der Bahnstrecke „Rheinischer Esel“ und die Wechselwirkungen mit den Bauernwirtschaften;

- Auswirkungen des 1. Weltkriegs auf die wirtschaftliche Situation der Bewohner des Kottens;

- die Kriegsschäden des Zweiten Weltkriegs am Kotten und in Rüdinghausen;

- das Wirtschaftswunder bzw. die Nachkriegszeit und seine Auswirkungen auf die wirtschaftliche und soziale Situation des Kottens und seiner Bewohner;

- bäuerliche Wirtschaftsweisen (Nachhaltigkeit, Resourcenschonung).

Am Kotten ist zeigbar, dass auch die kleinste Einheit mit den lokalen, überregionalen und übernationalen Entwicklungen verbunden ist und hier eine Wechselwirkung besteht.

Ziel dieser zeitlich und inhaltlich aufeinander aufbauenden Themenfelder soll die Vermittlung von Sozialgeschichte und Umwelt sein. Erreicht werden soll das durch aktive Zusammenarbeit mit lokalen Einrichtungen und der Bevölkerung. Das Projekt ist zukunftsweisend, da es einen nachhaltigen Umgang mit regionaler Geschichte und Wirtschaftsweise verspricht.

4 Arbeitsgruppen

Zur praktischen Realisierung der vielfältigen Aufgaben werden Arbeitsgruppen entlang des Bausteine-Modells gebildet. Eine weitere Arbeitsgruppe organisiert die Koordination der Erforschung der Geschichte des Kottens. Nicht zuletzt wird eine Arbeitsgruppe für Öffentlichkeitsarbeit ins Leben gerufen.

5 Lage des Grundstücks

Das Grundstück wird nur fußläufig betretbar sein. Aus dem Flächennutzungsplan (Grünzüge) und den Fotos wird deutlich, dass das Kotten-Grundstück das Eingangstor zu einer großen Naturfläche bildet. Im hinteren Bereich dieser Fläche wurde auf Anregung des Vereins ein Teilstück des Baches Brunebecke bereits renaturiert. Daran schließt sich nördlich des Grünzugs des Radwegs „Rheinischer Esel“ an. In östlicher Richtung befinden sich zwei große Wiesen, die in eine große Ausgleichsmaßnahme für die Bebauung auf dem Bowermanns-Feld münden. Diese Ausgleichsmaßnahme bildet wiederum eine Brücke zu den Feldern und Wäldern von Dortmund Großholthausen und den Wäldern von Rüdinghausen und Schnee.  Der Verein hält außerdem 1/12 an einer der beiden erwähnten Wiesen (Flurstück 8). Westlich des Kottens hat der Verein im Planungsprozess dafür gesorgt, dass ein breiter Grünstreifen die Eigenheimbebauung auf dem Brunebecker-Feld auflockert bzw. eine parkähnliche Verbindung vom Kotten-Grundstück nach Rüdinghausen hineinführt und einen direkten Anschluss zum „Rheinischen Esel“ ohne Benutzung einer Straße gewährleistet. Dass insgesamt das vom Verein entwickelt Konzept der Verknüpfung von Naturflächen und ihre nachhaltige bzw. vorsichtige Nutzung nicht nur für die Menschen zum Zwecke der Naherholung funktioniert, zeigt, dass weiterhin auf dem Grundstück des Kottens im Bachtal Rehe ihre Rehkitze  zur Welt bringen bzw. ein tatsächlicher Anschluss zum wald- und feldreichen Dortmund Großholthausen und Witten Rüdinghausen (einschließlich Schnee) auch für die Tierwelt besteht und erhalten werden sollte.

III. Zusammenfassung

Projektkern ist die Sicherung und Nutzung des gut 350 Jahre alten Günnemann-Kotten in Witten Rüdinghausen als Katalysator von Ortsgeschichte und übergreifenden geschichtlichen, sozialen und wirtschaftlichen Entwicklungen. So soll der Kotten Ort und gleichzeitig Gegenstand sein, ins Gespräch zu kommen und zwar in erster Linie über die Geschichte des Orts, in dem man schon lange lebt oder in den man zugezogen ist. Akteure sind die Bürgerinnen und Bürger Rüdinghausens und angrenzender Gemeinden, aber auch explizit Jugendliche und die Grundschüler und Grundschülerinnen der örtlichen Schulen sowie gesellschaftliche Organisationen, insbesondere der Heimatverein Rüdinghausen und der Verein „Günnemann-Kotten e.V.“. Grundannahme und Erfahrung ist, dass gerade durch die Globalisierung das Lokale und Unmittelbare wieder an Bedeutung gewinnt. In der unübersichtlichen Zeit wird ein überschaubarer Raum geschaffen; ein Lernort, der es ermöglicht, die Herausforderungen und Wurzeln der neuen Zeit an einem bestimmten Ort solidarisch zu analysieren und kritikfähig zu beurteilen. 

Das Innovative des Projekts ist, über die Lokalisierung bzw. lokale Verankerung von Geschichte, den übergreifenden geschichtlichen Entwicklungen und Veränderungen ein Stück ihrer Abstraktion zu nehmen, sie neu zu emotionalisieren und damit gleichzeitig die Lokalgeschichte zu de-idyllisieren.  Insgesamt geht es um die Schaffung eines den Dialog fördernden Ortes, der der Reflexion von Geschichte und Gegenwart dient. Oberstes Ziel ist es, damit den individuellen Blick auf die Gegenwart zu stärken.